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Herausforderungen meines Lebens

Am 26. Januar 2026

Loslassen

Bibelarbeit zur Pfarrfrauentagung Bad Herrenalb 17.1.2026 von Christiane Vogel, Dekanin i.R.

Ob wir nun alt sind oder jung, gesund oder krank, allein oder nicht allein: Jede von uns ist in ihrem Leben dazu herausgefordert, es zu meistern, irgendwie, wenn auch mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.

Nun habe ich mir gedacht:

Wenn die Bibel nicht nur ein weltfremdes Buch sein will, das mit seinen Inhalten allein für ein Wolkenkuckucksheim taugt, dann muss sie für unseren Alltag auch was hergeben.

Die Bibel will alltagstauglich sein. Wie das Essen zum Beispiel.

„Dein Wort war meine Speise, sooft ich‘s empfing“, sagt der Prophet Jeremia (Kap 15,16).

Wie mit dem Essen ist es auch mit Gottes Wort.

Wir leben davon, ohne dass wir uns immer genau daran erinnern, was wir gegessen haben.

Oder wissen Sie noch, was es vor zwei Wochen bei Ihnen zum Mittagessen gab?

Vermutlich nicht, obwohl Sie es vielleicht sogar selbst gekocht oder zubereitet haben.

So ist es mit Gottes Wort auch.

Wir leben im Alltag davon, ohne genau zu wissen, wie.

Die Arten, wie wir Nahrung zu uns nehmen,

kann ja sehr verschieden sein.

Neben dem Alltag gibt’s hin und wieder ein Festessen.

Mit mehreren Gängen. Mit genauem Kosten und Hinschmecken.

Das gibt’s nicht täglich, denn dafür hat man ja gar nicht die Zeit.

Aber ab und zu mal ist das auch schön.

Manchmal gibt’s auch Gottes Wort als Kantinen-Essen.

Das ist die Sonntagspredigt. Da gibts ist für alle dasselbe, und mal schmeckts eben dem einen besser und mal dem anderen.

Oder, besonders beliebt: Der Schnellimbiss. Die Pommesbude sozusagen.

Das ist das Losungsheft. Durchaus nahrhaft, aber als alleinige Nahrungsquelle nicht wirklich gesund.

Und es gibt auch Zeiten der Appetitlosigkeit. Das gehört durchaus auch dazu.

Irgendwann mag man die Sonnenuntergänge mit den Bibelsprüchen einfach nicht mehr sehen.

Wie auch immer: Gottes Wort gehört zum Alltag wie das tägliche Brot, sagt die Bibel.

Oder die Bibel spricht von Gottes Wort als des Fußes Leuchte und einem Licht auf dem Weg. (Ps.119, 105).

Nein, Gottes Wort ist keine Flutlichtanlage oder Scheinwerfer und auch kein Kronleuchter.

Gottes Wort ist „des Fußes Leuchte“, also es hilft, den nächsten Schritt richtig zu setzen und nicht orientierungslos im Finstern zu tappen.

Wenn aber Gottes Wort mit so alltäglichen Dingen wie Essen und Licht verglichen wird, dann muss es auch für den Alltag taugen.

Wenn es das nicht täte, bräuchten wir es überhaupt nicht.

Und in der Tat: Die Geschichten der Bibel sind viel mehr, als dass sie uns erzählen, was da früher mal passiert ist.

Die Geschichten der Bibel wollen uns nicht nur informieren.

Sie wollen uns etwas viel Grundsätzlicheres sagen und vermitteln.

Lassen Sie uns mal schauen, ob wir da was für die Herausforderungen des Lebens entdecken.

Die erste Herausforderung, die ich nennen will, heißt: Loslassen.

Das Loslassen ist in vielen, vielen alltäglichen Situationen vielfältig von uns gefordert.

Manchmal denke ich, dass die vielen Situationen, in denen wir etwas oder jemanden loslassen müssen, uns vorbereiten möchten auf das große Loslassen am Ende unseres Lebens, wenn wir sterben werden.

Da spätestens ist das Loslassen von uns gefordert, ob wir das wollen oder nicht.

Dabei kann das, was losgelassen werden muss, ja ganz verschieden sein.

Am einfachsten ist es wohl noch mit Dingen, wenn man nicht gerade ein Messie ist, obwohl auch das für viele schwer genug ist.

Sich von Dingen zu trennen, auch mal was wirklich wegzuwerfen,

das ist viel schwerer, wenn die Dinge noch gut sind und wenn jemand sie noch gebrauchen kann. Dann trennt man sich leichter.

Etwas, was noch gut ist, wegzuwerfen, das geht uns verständlicherweise gegen die Natur. So sind wir nicht erzogen.

Vor drei Jahren bin ich umgezogen. Aus der großen Dekanatswohnung ging es in eine 3-Zimmer-Wohnung, die ich mir als WG mit einer Freundin teile.

Jede von uns hat ihr Zimmer, gemeinsam haben wir Wohn- und Esszimmer mit Küchenblock und Terrasse.

Was glauben Sie, von wieviel Zeug ich mich trennen musste!

Aber wer wie ich fast jede Woche auf dem Friedhof ist, der weiß:

Im Sarg gibt’s kein Regal!

Und ich habe in über 40 Jahren auch noch nie erlebt, dass jemand ein Rollwägelchen mit all seinem Plunder hinter sich ins Grab gezogen hätte.

Loslassen können, das ist gefordert.

Die erste wichtige und sehr eindrückliche Lehre dafür hat mir meine Mutter vermittelt.

Sie besaß eine Kaffeekanne.

Dieses Teil war das erste Geschenk, das mein Vater ihr als junger Mann gemacht hatte.

Die Kanne war von KPM, also der „Königlichen Porzellan-Manufaktur“ in Berlin, dritte Wahl oder so, aber eben: Es hingen Erinnerungen dran. Nun wurde sowas bei uns immer auch benutzt. Eine Vitrine mit Geschirr nur zum Anschauen gabs bei uns nicht.

Mein kleiner Bruder räumte die Kanne ab und wollte sie in die Küche bringen und ließ sie fallen, sie ging in Scherben. Meine Mutter stand kurz schweigend da, mein Bruder heulte vor Schreck, da sagte meine Mutter:

Was für ein Glück, dass sie noch nicht abgewaschen war!

Ich habe vor gar nicht langer Zeit eine alte Dame besucht.

Sie ist schon Mitte 90 und wohnt noch allein im eigenen Haus,

das eigentlich viel zu groß für sie ist und noch dazu oben auf dem Berg liegt.

Ich fragte sie, warum sie sich denn nicht eine kleinere und überschaubare Wohnung unten in der Stadt sucht, wo sie gut zu Fuß zum Markt und zum Arzt usw. unterwegs sein könnte.

„Das geht nicht“, sagte sie. „Was wird denn dann aus meinem schönen Herrenzimmer?“

Damit meinte sie ihre großen und schweren alten Möbel.

Ich war sprachlos, was mir eher selten passiert. Die Frau geht seit Jahrzehnten treu Sonntag für Sonntag zur Kirche, kennt die Gesangbuchlieder auswendig, hört Woche für Woche in der Predigt, was im Leben und im Sterben wichtig ist und was nicht – und kann sich nicht von Schreibtisch und Schrank trennen!

So wenig kommt die Botschaft manchmal ins Leben!

Auch in der Bibel ist durchaus vom Loslassen die Rede, wenngleich auch nicht von Schrank und Schreibtisch.

Aber – viel schwieriger – vom Loslassen der Kinder.

Ich lese 2.Mose 2, 1-10:

Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi und nahm eine Tochter Levis zur Frau. Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn. Und als sie sah, dass es ein feines Kind war, verbarg sie ihn drei Monate. Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, nahm sie ein Kästlein von Rohr für ihn und verklebte es mit Erdharz und Pech und legte das Kind hinein und setzte das Kästlein in das Schilf am Ufer des Nils. Aber seine Schwester stand von ferne, um zu erfahren, wie es ihm ergehen würde. Und die Tochter des Pharao ging hinab und wollte baden im Nil, und ihre Dienerinnen gingen am Ufer hin und her. Und als sie das Kästlein im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen. Und als sie es auftat, sah sie das Kind, und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie, und sie sprach: Es ist eins von den hebräischen Kindlein. Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pharao: Soll ich hingehen und eine der hebräischen Frauen rufen, die da stillt, dass sie dir das Kindlein stille? Die Tochter des Pharao sprach zu ihr: Geh hin. Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: Nimm das Kindlein mit und stille es mir; ich will es dir lohnen. Die Frau nahm das Kind und stillte es. Und als das Kind groß war, brachte sie es der Tochter des Pharao, und es ward ihr Sohn, und sie nannte ihn Mose; denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen. 

Wir wissen, was dieser Geschichte vorausgegangen ist:

Der Pharao hatte befohlen, alle hebräischen Knaben nach der Geburt zu töten, um das Volk zu schwächen. Die hebräischen Hebammen haben sich diesem Befehl widersetzt und ihn nicht ausgeführt. Dennoch war es natürlich nicht möglich, auf Dauer die Geburt eines Kindes geheim zu halten. Da sind drei Monate schon eine lange Zeit, in denen es der Mutter des Mose gelungen ist, ihn zu verstecken.

Nun geht es nicht mehr. Aber töten will und kann sie ihr Kind auch nicht.

Da kommt ihr eine Idee: Sie macht ein Kästlein aus Rohr für ihr Kind und verklebt es mit Erdharz und Pech, um es auf dem Nil auszusetzen.

Ich stelle mir vor, wie schwer das für die junge Mutter gewesen sein muss, nach drei engen Monaten mit ihrem Baby den Entschluss zu fassen, sich nun von ihm zu trennen.

Aber sie weiß: Es muss sein, wenn das Kind überhaupt eine Überlebenschance bekommen soll.

Ich denke mir, dass sie das Kästlein aus Rohr sehr sorgfältig und genau hergestellt hat.

Sie wollte unbedingt vermeiden, dass Wasser eindringt und ihr Kind ertrinkt.

Sie wird das Erdharz und das Pech präzise verstrichen haben. Sie wird immer wieder Tests im Wasser gemacht haben, ob auch wirklich jede Stelle dicht ist. Da hat sie nachgebessert und nochmals eine Schicht aufgetragen, so stelle ich es mir vor.

Aber dann kam doch der schwere Moment.

Sie nahm ihr Kind, sie hat es vermutlich nochmal gestillt und frisch gewickelt, hat es geküsst und gedrückt, und dann…

Dann musste sie es hineinlegen in das Körbchen und das Körbchen ins Schilf am Flussufer stellen – und weggehen.

Sie muss weggehen! Sie muss ihr Kind dort lassen – und gehen.

Wie wird ihr das Herz geblutet haben!

Aber nun wird uns berichtet: Seine Schwester beobachtete das Körbchen von ferne und sah, wie es weiterging. Die Tochter des Pharao kommt an den Nil zum Baden und findet das Körbchen. Und sie reagiert, wie wohl jede gesund empfindende junge Frau reagieren würde:

Sie hat Mitleid mit dem weinenden kleinen Bündel. Und sie nimmt es als ihr Kind auf.

Die Mutter konnte erstmal nichts für ihr Kind tun. Dass sie es dann wiederbekam, um es stillen zu dürfen, war natürlich einerseits wunderbar, andererseits muss ihr auch da das Herz geblutet haben, denn sie wusste ja: Es war jetzt nicht mehr ihr Kind.

Es war es natürlich schon noch, aber sie hatte nichts zu entscheiden und zu bestimmen.

Ihr Lieben! Die meisten von euch sind Mütter.

Ich selbst bin leider keine, deswegen habe ich auch keine Kinder, die ich loslassen muss.

Aber ich denke manchmal: Die Sorgfalt, mit der die Mutter des Mose das Körbchen dicht gemacht hat, das sind die Gebete der Eltern, der Großeltern, auch der Paten für ihre Kinder.

Wir müssen die Kinder loslassen, sie müssen hinausgesetzt werden auf den Lebensstrom,

das ist der Gang der Dinge.

Kaum etwas ist schlimmer, als wenn Söhne und Töchter nicht eines Tages von zuhause weggehen.

Eine Freundin von mir ist Krankenschwester. Sie arbeitete viele Jahre lang in einem Altenpflegeheim. Sie erzählte, dass dort mal ein 70-jähriger Mann einzog, weil seine Mutter gestorben war!

Damit will ich sagen: Man kann die Kinder nicht festhalten. Sie müssen ihren eigenen Weg finden und gehen.

Aber man kann versuchen, das Körbchen dicht zu machen durch die treue Fürbitte.

Sie kennen vielleicht das Gebet an die Engel der erwachsenen Kinder?

Ich fand es in „Victorias Gebetbuch“, dem Gebetbuch des schwedischen Königshauses.

Es ist von einer Frau namens Viola Renvall und lautet so:

Ich spreche zu den Engeln meiner erwachsenen Kinder:

Folgt ihr Ihnen Immer noch?

Tragt Ihr ihre Wünsche in eueren Händen?

Wisst ihr etwas von ihrer Einsamkeit, die voll innerer Kämpfe ist?

Und wenn sie euch und das Leben verneinen,

wendet ihr euch ab und weint,· – aber bleibt doch?

Sie brauchen euch, mehr als früher, als sie noch klein waren,

sie brauchen euch verzweifelt.

Alles soll auf eigenes Risiko entschieden werden,

man soll sich losreißen,

alles selbst durchdenken, will nichts wissen von Engeln.

O, ihr Engel meiner erwachsenen Kinder!

Eine Mutter darf nicht länger eingreifen.

Aber Ihr dürft.

Eine Mutter kann nicht länger Rat geben,

aber eure Weisheit kommt von Gott.

Haltet aus an der Seite meiner erwachsenen Kinder, ihr Engel!

Helft ihnen, im Dickicht zu wandern, den rechten Weg zu finden,

ihren einzigen Weg.

Viola Renvall

Ein besonderer Moment des Loslassens ist es auch, wenn die Kinder heiraten.

Auch hierzu gibt es einen Bibeltext. Ich lese aus Matth.19, 5+6:

Da zitiert Jesus aus dem alten Testament

»Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein« So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! 

Habt ihr es gehört? Da steht das Wort „verlassen“. Der Mann wird Vater und Mutter verlassen. Warum steht das nicht für die Frau da?

Für die jungen Frauen war es selbstverständlich, dass sie Vater und Mutter verlassen müssen.

In aller Regel war es so:

Hier eine Zeltstadt – da eine Zeltstadt

Kinder im heiratsfähigen Alter wurden von den Vätern aneinander vermittelt, nach ausgehandeltem Brautpreis, und dann wurde die junge Frau „heimgeholt“ in die Sippe des Mannes.

Dort begann dann oft ein Leidensweg für die meistens noch sehr junge Frau.

Es ist nicht nur heute manchmal ein Problem, wenn plötzlich die Schwiegertochter am Herd steht.

Wenn es nun in der Bibel heißt, dass auch der Mann Vater und Mutter verlassen soll, dann heißt das:

Ein neues, ein drittes Zelt wird aufgemacht.

Und die Bindung der jungen Eheleute aneinander hat jetzt Vorrang vor der Bindung an die Sippe.

Nach meiner Beobachtung kommen so manche Probleme in Ehen daher, dass das Verlassen von Vater und Mutter nicht wirklich geklappt hat.

Damit Sie mich recht verstehen: Nicht im Stich lassen ist angesagt.

Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, besteht ja weiterhin.

Aber „verlassen“ soll man Vater und Mutter, weil man jetzt woanders hingehört.

Für die Eltern bedeutet das auch hier: Loslassen. Die Kinder freigeben für den eigenen Weg.

Es heißt aber auch:

Von den Kindern das Loslassen verlangen. Denn das ist umgekehrt die Gefahr:

Dass erwachsene Kinder sich gar nicht vorstellen können, dass ihre Eltern vielleicht noch was anderes tun möchten als die Enkelkinder zu hüten.

Manche sagen ja: Immer dann, wenn Eltern meinen, ihre Arbeit wäre geschafft,

dann werden sie Großeltern.

Dabei: Es hat schon seinen Grund, dass wir als Frauen irgendwann über die gebärfähige Phase hinaus sind. Man hat nicht mehr die Kraft wie früher, auch nicht mehr die Nerven, und deshalb: Kontakt zu den Enkelkindern: Ja, gerne, nach Absprache und dosiert. Aber nicht ohne Not als Rundum-Sorglos-Paket.

Auch dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte aus unserer Familie erzählen:

Meine Eltern luden uns vier Kinder eines Tages zum Essen ein.

Wir hatten keine Ahnung, was der Anlass war. Nun, das haben wir dann erfahren: Meine Eltern haben sich, als der Jüngste mit der Ausbildung fertig war, von ihren Elternpflichten verabschiedet. Wir staunten nicht schlecht.

Aber zugleich war es gut und sehr erleichternd für uns alle.

Meine Mutter verstarb dann im Jahr 2003, und mein Vater zog umgehend um in ein Seniorenstift, weil er nicht mehr länger im Haus bleiben wollte. 2006 starb dann auch er.

Er hat sich immer gefreut, wenn einer von uns ihn besuchen kam.

Aber wenn man dann wieder aufbrechen musste, hieß es nie:

„Was, musst du schon wieder gehen? Du bist doch gerade erst gekommen…“

Das hat sehr zum guten Verhältnis zwischen unseren Eltern und uns Kindern beigetragen.

Auch in einem anderen Bereich ist das Loslassen von uns gefordert:

Wenn es um die Unterstützung für andere geht.

Auch hierfür gibt es ein brillantes biblisches Beispiel, das Ihnen allen vertraut ist: Die Geschickte vom „Barmherzigen Samariter“ aus

Lukas 10, 25-35:

Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 

Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?

Was liest du?

Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«. Er aber sprach zu ihm:

Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus:

Wer ist denn mein Nächster? 

Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit:

Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 

Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus,

gab sie dem Wirt und sprach:

Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst,

will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Dies ist wohl eine der bekanntesten biblischen Geschichten, und sie wird immer dann hervorgeholt, wenn es um das Thema Nächstenliebe geht.

Es ist der Text, in dem Jesus auf den Punkt bringt, was Nächstenliebe ist: Dass man sich auch mal auf dem geplanten Weg unterbrechen lässt durch den, der einen braucht.

Und natürlich wird bei Auslegungen immer wieder darauf herumgeritten, dass die bösen Kirchenleute vorübergehen und dass der Samariter hilft, also der, von dem man es gar nicht erwartet.

Ich möchte eure Blicke hier aber auf etwas anderes lenken.

Jesus stellt den Samariter als Vorbild für Nächstenliebe hin.

Aber was macht der Samariter denn überhaupt?

Gut, er lässt sich unterbrechen, er kümmert sich, er macht sozusagen die Erstversorgung.

Aber dann gibt er den anderen wieder ab. Nein, er nimmt ihn nicht mit zu sich nach Hause.

Nein, er richtet nicht ab sofort sein ganzes Leben an ihm aus.

Sondern er gibt ihn ab, und zwar in bezahlte Pflege!

Er denkt nicht: ich habe ihm umsonst geholfen, der Wirt soll das gefälligst auch umsonst machen.

Nein: Er bezahlt ihn, und er rechnet sogar mit möglichen Kostensteigerungen!

Ihr Lieben! Ist das nicht unglaublich modern und fortschrittlich gedacht? Natürlich ist es heutzutage nicht so, dass einer ganz direkt was aus seinem Portemonnaie holt für die Pflege.

Bei uns geht das zentral über die Krankenkasse und die Pflegeversicherung, und das ist gut so.

Aber das Prinzip ist klar:

Helfen – Ja!

Wenn ich aber etwas gerne mein Leben lang bezahlen will, ohne es je selbst zu brauchen, dann ist das die Pflegeversicherung.

Aber eben: Nicht das ist Nächstenliebe, dass man das ganze Leben nach dem Hilfsbedürftigen ausrichtet und sich selbst dabei aufgibt!

Ich höre in dem Zusammenhang immer wieder, jemand sei „abgeschoben“ z.B. ins Altersheim. Das muss keineswegs so sein!

Man kann ja den Angehörigen besuchen, man kann ihn, wenn das noch geht, sonntags an den Kaffeetisch nach Hause holen, man kann Spaziergänge unternehmen. Aber eben, und das ist so wichtig:

Man kann auch wieder gehen und sein eigenes Leben leben.

Das eigene Leben komplett aufzugeben, um jemanden zu versorgen, das ist keine christliche Tugend.

Das kann auch zB für Kinder mit Behinderung gelten.

Ich kenne eine Familie, da sind 4 Kinder, inzwischen alle erwachsen. Der jüngste Sohn ist behindert.

Die Eltern sagten mal zu mir: Alle unsere Kinder gehen als Erwachsene aus dem Haus, und das wird auch bei unserem Jüngsten so sein. Sie haben rechtzeitig nach einer passenden Einrichtung für ihn gesucht und ihn dort untergebracht und da geht es ihm gut.

In den Ferien darf er meistens nach Hause zu den Eltern, aber sonst ist er dort und wird seinen Begabungen entsprechend gefördert. Und die Eltern haben auch wieder Zeit für sich.

Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass man manchmal auch Wünsche und Träume loslassen muss.

Es kann sein, dass das Leben ganz anders verläuft als man sich das denkt und wünscht.

Da ist mir Maria ein Vorbild geworden.

Sie sagt: „Siehe, ich bin des Herren Magd.

Mir geschehe, wie du gesagt hast“ (Lk. 1, 38)

Maria hatte für ihr Leben vermutlich andere Pläne als ein uneheliches Kind, Flucht nach Ägypten und am Ende, als sie schon alt ist, die Hinrichtung ihres Sohnes erleben zu müssen.

Wir haben manchmal andere Pläne.

In Dietrich Bonhoeffers bekanntem Lied heißt es ja:

„Und willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann woll‘n wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz“

Wir wissen: Gott hat ihn nicht vor der Hinrichtung bewahrt.

Er durfte sich nicht mehr an der Sonne Glanz freuen.

Seine Wünsche und Pläne waren anders als es dann schlussendlich kam.

Nun sind wir da ja in der Regel besser dran. Auf uns wartet in aller Regel zum Glück nicht eine Hinrichtung oder ein Schmerz, wie Maria ihn erleben musste.

Aber wir müssen manchmal auch Wünsche und Träume aufgeben und dann erfahren, was auch Dietrich Bonhoeffer mal gesagt hat:

„Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche“.

Als ich ungefähr 9 Jahre alt war, da habe ich ganz andere Wünsche gehabt.

Nicht nur, dass ich zu den wenigen kleinen Mädchen gehörte, die Pferde liebten:

Ich hatte mir vorgestellt, ich werde mal heiraten und einige Kinder haben und auf einem Gutshof wohnen mit Pferden und genügend Personal für die Arbeit.

Das alles erzählte ich meinem Großvater, der einige Zeit bei uns im Haus wohnte und den ich sehr liebte.

Er hörte sich meine Ausführungen geduldig an und sagte dann:

„Mein Mädchen, du darfst Luftschlösser bauen, so viele du willst.

Du darfst nur nicht heulen, wenn sie einstürzen.“

Das ist mir im Gedächtnis geblieben.

Abschied nehmen von Träumen und Wünschen:

An meinem 40. Geburtstag war das durchaus nochmal ein Schmerzpunkt für mich, nun definitiv Abschied zu nehmen von dem Wunsch, einmal ein eigenes Kind zu bekommen.

Auch da galt es, loszulassen. Aber ich machte auch die Erfahrung:

Reich ist man nie nur durch das, was man hat, sondern immer auch durch das, was man mit Würde entbehrt.

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